Meditation am Donnerstag, den 25.3.2021

Sie gehören seit vielen Jahren zur Fastenzeit an unserer Schule – einmal pro Woche in der großen Pause mit Schülerinnen aus allen Klassenstufen: die Meditationen. Das ist in dieser Form nun nicht möglich – deshalb hier dieser Gruß an euch, liebe Schülerinnen und an Sie, liebe Eltern:

Du stellst meine Füße auf weiten Raum (Ps 31,9)

Was können wir mit unseren Füßen nicht alles machen! Unsere Füße tragen uns. Sie geben festen Stand. Beim Spielen, beim Sport, beim Tanzen drücken wir mit ihnen unsere Freude aus und beim Wandern oder Pilgern lassen wir uns in die Weite Gottes tragen.

Schauen wir auf das Misereor-Hungertuch von Lilian Moreno Sanchez. Die Künstlerin ist in Chile geboren und lebt heute in Deutschland.

Das MISEREOR-Hungertuch 2021 „Du stellst meine Füße auf weiten Raum“ von Lilian Moreno Sánchez © MISEREOR - © Härtl/MISEREOR

Das Tuch besteht aus drei Teilen (Triptychon). Schwarze Linien zeichnen das Röntgenbild eines Fußes nach, der mehrfach gebrochen ist. Der Fuß gehört zu einem Menschen, der bei einer Demonstration in Santiago de Chile durch die Polizei schwer verwundet wurde. Tausende Demonstranten wurden durch die Polizei brutal geschlagen und verhaftet. Dieser Fuß mit den sichtbaren Verletzungen steht stellvertretend für alle Orte, an denen Menschen gebrochen oder zertreten werden.

Das Bild ist auf Bettwäsche aus einem Krankenhaus und einem bayerischen Frauenkloster gemalt. Das macht deutlich: Heilung hat immer einen körperlichen und einen geistlich-seelischen Aspekt. Schwarze Linien über dem Röntgenbild des Fußes weisen auf das Schwere und das Leid hin. Das Gold und die Blumen stehen für die Hoffnung und für die Liebe.

„Du stellst meine Füße auf weiten Raum“. Der Satz aus den Psalmen gab dem Hungertuch den Titel. Dieser Psalm 31 beschreibt, was im Glauben alles möglich ist. Das Bild des Fußes lässt uns an Aufbruch, Bewegung und Wandel denken; das Bild des „weiten Raumes“ lässt uns aufatmen – auch in dieser Corona-Zeit, in der wir so oft Einschränkung erleben oder Enge empfinden. Aber unser Blick kann hinausgehen ins Weite und wir können Kraft schöpfen für einen Neubeginn.

Schließen wir mit einem Gebet:

Du stellst meine Füße auf weiten Raum
Feste Schuhe, leichte Schritte
und am Horizont ein Ziel,
Wegbegleitung hin zur Mitte
und ein sicheres Asyl,
Das gibst du mir,
du, Gott, ich danke dir.

Gute Wege, starke Brücken
wo Morast ist, festen Stand,
Hinweistafeln ohne Lücken,
einen Stock in meine Hand:
Das gibst du mir,
du, Gott, ich danke dir.

Einen Engel mir zur Seite
einen, der mir Mut zuspricht,
Ruheplätze, Brot und Freude
und ein Lächeln im Gesicht:
Das gibst du mir,
du, Gott, ich danke dir.

Du stellst meine Füße
auf weiten Raum
und ich traue mich,
mutig zu gehen.

(Helmut Schlegel OFM, Misereor 2021)

Erhard Bechtold, Schulpfarrer

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