„Warum verstehst du das nicht? Das ist Theater!“

Der Literatur- und Theaterkurs bespielte zum Schuljahresabschluss noch einmal die Bretter, die die Welt bedeuten.

Die Sonne schien im Hof – der am Freitag, den 7. Juli, zum Publikumsraum wurde. Neben dem Eingang zum Schulhaus bildeten Podeste eine Bühne und auf einer großen Pinnwand prangte ein „Rezept zum Improvisationstheater“. Um 14 Uhr füllte sich der Hof mit Schülerinnen und Lehrkräften und um 14 Uhr begann eine Schülerin in Kochoutfit, mithilfe von freiwilligen Schülerinnen auf der Bühne eine gute Geschichte zu „backen“. Es ging dabei um eine Schülerin, die Klassenbeste werden will. Oder vielleicht doch nicht? „Will sie wirklich Klassenbeste sein? Oder will sie nur ihre Eltern glücklich machen? Und wollen diese wirklich, dass sie Klassenbeste wird oder glaubt sie das nur?“  - So wurde zum Ende der Szene das ganze Backrezept noch einmal philosophisch hinterfragt.

Damit haben die Schülerinnen des Literatur- und Theaterkurses ihre Eindrücke des Workshops von Oliver Sehon zusammengefasst. Sehon hat im Vorfeld mit Methoden des Improvisationstheaters und der Archetypenlehre nach Jung mit den Schülerinnen zur Frage nach Selbstbestimmung, insbesondere von Mädchen und Frauen, gearbeitet. Ermöglicht wurde dieser Workshop durch das Kulturbüro Karlsruhe, auf dessen Website das Bildungsziel so zusammengefasst wird: „Zu den priorisierten Zielen der Vereinten Nationen für eine Nachhaltige Entwicklung gehören „Bildung für alle“ und „Gleichstellung der Geschlechter“, dies beinhaltet auch „alle Frauen und Mädchen zur Selbstbestimmung zu befähigen“.

Die weiteren Beiträge der Aufführung gaben Einblicke in die anderen Themen und Stücke, mit denen sich der Literatur- und Theaterkurs im vergangenen Halbjahr noch beschäftigt hatte. So wurden zwei Szenen aus Shakespeares Romeo und Julia in moderner Interpretation und kreativ bespielten Requisiten präsentiert. In einer Szene war die Amme mehr mit ihrem Handy beschäftigt als mit Julias Dilemma, in einer anderen der Regenschirm einmal tödliches Schwert, um dann wieder Mikrofon des Reporters zu werden, der das vom Publikum abgestimmte Urteil über Romeos Strafe verkündet.

Eine besondere Szene präsentierten die frischgebackenen Abiturientinnen Lili-Marie und Paula, die den Literatur- und Theaterkurs vier Halbjahre lang besucht hatten und in zehn Minuten alles packten, was sie darin gelernt hatten. Von den Grundregeln des Sprechens (laut! langsam! deutlich!) über Stanislawski (du musst es fühlen!) bis zur Performance (bist du jetzt vollends durchgedreht?) wurde mit einem Augenzwinkern alles angespielt. Das Problem, dass das Publikum bei dieser rasanten Geschwindigkeit etwas verwirrt war, wurde mit den Zwischenrufen „Warum verstehst du das nicht? Das ist alles Theater!“ sicher nicht gelöst – aber vielleicht hat diese Szene der einen oder anderen Schülerin Lust auf den Kurs gemacht, um herauszufinden, was dahintersteckt.

K. Felis

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